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  • Liebe Leserinnen, liebe Leser,

    „Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“ Dieses Zitat aus einer Zeit des Umbruchs der Mobilität wird gemeinhin dem deutschen Kaiser Wilhelm II zugesprochen. Ob er es wirklich gesagt hat, ist zwar umstritten, als eindrucksvolles Beispiel für eine krasse Fehleinschätzung leistet es aber seither treue Dienste nicht nur bei Zukunftsforschern. Heute leben wir in Sachen Mobilität erneut in einem Zeitalter des Umbruchs. Die Abnahme der Luftqualität vor allem in den Großstädten hat mancherorts ein Niveau erreicht, das Politik, Industrie und Verbraucher zum Umdenken und zum Handeln zwingt. Der Dieselskandal hat ein Übriges getan, um die Situation zu verschärfen. Erste Innenstädte sperren besonders belastete Straßenzüge für den Verkehr mit älteren Dieselmodellen. Gleichzeitig beschäftigt sich die Stadtplanung fast ausschließlich damit, Wohnraum und hochwertige Verwaltungsgebäude zu schaffen. Handwerk und Gewerbe, wie zum Beispiel Recyclingunternehmen, werden dagegen immer weiter aus der Stadt gedrängt. Deren Leistung soll aber weiterhin geräuscharm, staubfrei und möglichst ohne CO2- und NOX-Emissionen erfolgen.

    Zeit, über Alternativen nachzudenken. Was liegt näher, als einen der gesammelten Stoffströme – den Bioabfall – als postfossile Treibstoffquelle zu nutzen und auf diese Weise eine CO2-neutrale, feinstaubfreie und weitestgehend NOX-freie Sammellogistik zu etablieren? Im Großraum Köln hat REMONDIS nun ein erstes Pilotprojekt mit insgesamt sechs Fahrzeugen mit Biogasantrieb gestartet.

    Mit dem Einstieg der Schwarz-Gruppe (Lidl) ist ein neuer Teilnehmer in den Markt für Kreislaufwirtschaft eingestiegen, der mit einem Jahresumsatz von 96,7 Milliarden Euro (2017) größer ist als der gesamte deutsche Markt der Kreislaufwirtschaft zusammen. Über seine Tochtergesellschaft Green Cycle hat die Schwarz-Gruppe 2018 das fünftgrößte Recyclingunternehmen Deutschlands, das Unternehmen Tönsmeier, erworben und mit dieser einen Akquisition mehr als dreimal so viel Umsatzvolumen hinzugekauft wie REMONDIS mit allen Akquisitionen der Jahre 2016 und 2017 zusammen. Branchenexperten rechnen damit, dass ein Einstieg der Schwarz-Gruppe in den Markt der dualen Systeme ebenfalls unmittelbar bevorsteht.

    Es ist also viel Bewegung im Recyclingmarkt, in dem laut aktuellem „Statusbericht der Kreislaufwirtschaft“ rund 10.800 Unternehmen miteinander konkurrieren. Während für keinen der privaten Marktteilnehmer eine Monopolstellung im Gesamtmarkt für Kreislaufwirtschaft festgestellt werden kann, setzt sich der Trend zur Verstaatlichung von abfallwirtschaftlichen Dienstleistungen durch Rekommunalisierung und damit zu Gebietsmonopolen ungebrochen fort. Der privatwirtschaftliche Marktanteil schrumpft derweil weiter. Er liegt im Bereich der klassischen Abfallsammlung bereits heute nur noch bei rund 50 Prozent des Gesamtmarktes.

    Viel Spaß beim Lesen der neuen Ausgabe der REMONDIS AKTUELL wünscht Ihnen

    Ihr

    Ihr Thomas Conzendorf

Zu viele Schrott-PKW gelangen ins Ausland

Allein in Deutschland werden jährlich mehrere Millionen Autos außer Betrieb gesetzt, um verschrottet zu werden. Aber nur eines von vier Fahrzeugen verbleibt tatsächlich im Inland und wird fachgerecht verwertet. Zu diesem und weiteren Ergebnissen kam eine Studie zur Verwertung von Altfahrzeugen, die die Firmen Scholz Recycling und TSR Recycling beim Institut Prognos in Auftrag gegeben haben.

Mehr als 4 Millionen Tonnen Rohstoffe gehen verloren

Laut der Studie werden im Jahr 2030 von rund  5,2 Millionen Tonnen in PKW verbauten Rohstoffen nur 1,1 Millionen Tonnen in Deutschland aufbereitet werden. Durch die ungelenkte Altfahrzeugverwertung entsteht dadurch jährlich ein volkswirtschaftlicher Schaden von rund 2,4 Milliarden Euro. Denn an dieser Stelle gehen der deutschen Industrie wertvolle Rohstoffe verloren, die anderswo neuwertig und teuer wiederbeschafft werden müssen.

Nur eins von vier Altfahrzeugen wird im Inland verwertet. Für die deutsche Volkswirtschaft entsteht dadurch jährlich ein Schaden von mehr als 2,4 Milliarden Euro.

„Die Zahlen der Studie sind alarmierend und machen deutlich, dass Deutschland bei seiner Altfahrzeugverwertung eine Lösung mit Lenkungswirkung braucht“, erklärt Bernd Fleschenberg, Geschäftsführer der TSR Recycling GmbH & Co. KG. Daher müssten insbesondere Politik und Automobilindustrie eine solche nachhaltige Lösung mittragen, so Fleschenberg weiter. Die Unternehmen TSR und Scholz schlagen daher die Gründung einer zentralen Stelle zur Altfahrzeugverwertung vor. Ihre Aufgabe soll es sein, Nachweise von Industriebtrieben einzuholen, die die Verwertung jedes Fahrzeugs sicherstellt. Finanziert werden soll die Stelle über Beiträge, die zukünftig bei Neufahrzeugen erhoben werden sollten. Auch eine Art Pfandsystem könnten sich die beiden Recycler gut vorstellen.

„Die Zahlen der Studie sind alarmierend und machen deutlich, dass Deutschland bei seiner Altfahrzeugverwertung eine Lösung mit Lenkungswirkung braucht.”

Bernd Fleschenberg, Geschäftsführer TSR Recycling GmbH & Co. KG

Immer mehr Kunst- und Verbundstoffe verbaut

Zudem macht die Studie auf ein weiteres Problem aufmerksam. Die Materialzusammensetzung im Automobilbau wird sich bis 2030 signifikant verändern. Wurden in einem PKW, der im Jahr 2000 außer Betrieb gesetzt wurde, noch mehr als 70 Prozent Stahl verbaut, werden es im Jahr 2030 nur noch rund 55 Prozent sein. Stattdessen wird sich der Anteil von über 50 verschiedenen Kunststoffen und Verbundstoffen von derzeit 15 auf rund 30 Prozent verdoppeln.

Für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ist daher der intensive Austausch mit der Industrie notwendig. Nur wenn nachvollzogen werden kann, wie und aus welchen Materialien Fahrzeuge hergestellt werden, können Recy­clinglösungen angeboten werden. „Ziel muss es sein, die Recyclingbranche in den Entwicklungsprozess miteinzubinden, sodass das Recycling von Anfang an mitgedacht und der Rohstoffkreislauf unter dem Gesichtspunkt der Circle Economy effektiv und nachhaltig geschlossen werden kann“, resümiert Fleschenberg. Damit könne nicht nur der CO2-Ausstoß im Vergleich zu Primärrohstoffen gesenkt, sondern auch die Abhängigkeit würde sich stark verringern und wertvolle Ressourcen könnten gesichert werden.

  • Die gesamte Studie zur Verwertung von Altfahrzeugen können Sie hier als PDF herunterladen

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