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  • Liebe Leserinnen, liebe Leser,

    als am Morgen des 24. Juni dieses Jahres Europa aufwachte, konnten viele nicht fassen, dass sich eine knappe Mehrheit der Briten für den Brexit entschieden hatte. Führende Ökonomen, Politiker, Unternehmer, Künstler und Wissenschaftler hatten immer wieder für einen Verbleib im starken EU-Verbund plädiert, um die Probleme der Globalisierung gemeinsam konstruktiv anzugehen. Doch es nützte nichts; die Briten suchten ihr Heil mehrheitlich in einem Zurück zur vermeintlich guten alten Zeit der "Splendid Isolation". Dass dies nur ein Vorbote für ein noch größeres politisches Erdbeben war, konnte da noch niemand ahnen. Mit Donald Trump hat das amerikanische Wahlvolk am 8. November einen bis dahin beispiellosen Populisten zu ihrem Präsidenten gemacht, dessen Ankündigungen nichts Gutes für die Weltwirtschaft und das friedliche gesellschaftliche Zusammenleben erahnen lassen. Man wird abwarten müssen, ob und wie radikal sich das globalökonomische und politische Gefüge unter einem Präsidenten Trump ändern wird und was das für Europa bedeutet. Eines ist allerdings jetzt schon klar, auch wenn der neue Präsident den unbequemen Klimawandel einfach zu leugnen versucht: Die Weltbevölkerung wächst weiter und die Versorgungs- und Umweltprobleme werden sicher nicht kleiner. Wir empfehlen Donald Trump daher, einen Blick in die Heimat seiner Vorfahren zu werfen, nach Deutschland, wo schon heute Lösungen für die nachhaltige Rohstoffwirtschaft der Zukunft entwickelt werden.

    Als vor über 40 Jahren in Deutschland die Kreislaufwirtschaft – maßgeblich auch von REMONDIS – entwickelt wurde, lebten auf unserem Planeten ca. 3,5 Milliarden Menschen. Recycling erschien vielen noch als ökologische Spielerei. Es gab ja genug Rohstoffe und genug Platz für Abfälle, warum also mehr tun? Unsere Spezies hatte knapp 100.000 Jahre gebraucht, um auf 3,5 Milliarden Menschen anzuwachsen. Heute, innerhalb von nur 40 weiteren Jahren, hat sich diese Zahl verdoppelt! Schon 2050 werden wir 10 Milliarden sein. Der sogenannte Erdüberlastungstag, also der Tag, an dem die Menschheit alle nachhaltigen Ressourcen eines Jahres verbraucht hatte, lag dieses Jahr bereits auf dem 8. August. Seit diesem Tag leben wir von der Substanz, gerade so, als ob wir noch einen zweiten Planeten in der Hinterhand hätten.

    Dabei bietet Recycling schon heute Lösungsansätze auf gleich mehreren Ebenen: Rohstoffversorgung, Energieerzeugung, Wasser, Klima- und Umweltschutz und sogar soziale Verantwortung. 14 Prozent des deutschen Rohstoffbedarfs kommen bereits aus dem Recycling, ein erster wichtiger Schritt zur Entkoppelung des Wirtschaftswachstums vom Ressourcenverbrauch. Für eine nachhaltige und bezahlbare Produktion müssen wir zukünftig jedoch alle Produkte und Rohstoffe konsequent im Kreis führen. Dies setzt weltweit politischen Willen und eine mutige Gesetzgebung voraus. Wir brauchen höhere Recyclingquoten und verbindliche Ökodesignrichtlinien, die den Herstellern vorschreiben, alle ihre Produkte von vornherein so zu gestalten, dass diese am Ende ihrer Lebensdauer zu 100 Prozent recycelt werden können.

    In einer Zukunft, in der alle Rohstoffe und Produkte, ob Smartphone, Auto oder Flugzeug, nach ökologischen Kriterien gestaltet werden müssen, wäre Recycling Pflicht. Kinderarbeit in den Rohstoffminen der Dritten Welt oder militärische Konflikte um Ressourcen gehörten der Vergangenheit an. Selbst unsere Abwässer würden durch innovative Aufbereitungsprozesse neben sauberem Trinkwasser auch Phosphor für Düngemittel, Baustoffe und Energie produzieren. Die weltweite Erfassung und Verwertung aller Bioabfälle zu hochwertigem Kompost oder zu regenerativer Energieerzeugung würden die Klimaprobleme der Welt zu großen Teilen lösen - bei gleichzeitig hervorragenden Wachstumsperspektiven.

    Mit diesem dann doch eher optimistischen Blick in die Zukunft wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein frohes Weihnachtsfest und ein gesundes, glückliches und erfolgreiches Jahr 2017.

    Ihr Ludger Rethmann

Unerwartete Entscheidung der Bundesregierung

  • Der BDE Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft e.V. zeigt eine deutlich ablehnende Haltung gegenüber der Entscheidung der Bundesregierung, die sich im September unerwartet gegen eine Erhöhung der Recyclingquoten aussprach.

Festsetzung der Quoten erst 2030 geplant

  • Wie einem internen Arbeitsdokument am 12. September zu entnehmen war, sieht die Bundesregierung vor, die europäischen Recyclingquoten nun mit einer gänzlich neuen Methode zu berechnen. Außerdem fordert die Bundesregierung in dem Schreiben, die Höhe der europäischen Quoten erst dann bis 2030 festzusetzen, wenn die ersten Ergebnisse der neuen Berechnungsmethode Einschätzungen zuließen. Dies sei drei Jahre nach ihrer Einführung der Fall.

    Der BDE sieht das gesamte Projekt einer europäischen Kreislaufwirtschaft ge­fährdet, wenn die Recycling­quoten nicht bald erhöht werden.

    Kurz vor Abschluss des Verhandlungsprozesses über den eigentlichen Kommissionsvorschlag kam diese Ablehnung für die gesamte Recyclingbranche sehr unerwartet. Bereits seit zwei Jahren hatte der Kommissionsvorschlag zur Vereinheitlichung der Berechnungsmethoden der nationalen Quoten der Bundesregierung vorgelegen. Die Zeichen standen gut. Noch nach Rückzug des ersten Kreislaufwirtschaftspakets hatte die Umweltministerin bei der Kommission gegen eine Quotensenkung protestiert. Nach Ansicht des BDE gefährde der neue Vorschlag nun das gesamte zukunftsweisende Projekt einer europäischen Kreislaufwirtschaft. „Es macht den Anschein, als wolle die Bundesregierung weder eine schnelle Einigung noch eine Erhöhung der Quoten“, betont BDE-Präsident Peter Kurth.

  • „Je schneller eine politische Entscheidung steht, umso schneller können Investitions­entscheidungen getroffen werden.”

    Peter Kurth, BDE-Präsident

Appell von BDE-Präsident Kurth

In einem Brief appellierte BDE-Präsident Kurth jetzt an Bundesumweltministerin Hendricks, den deutschen Vorschlag zurückzunehmen. Gleichzeitig bat er mit diesem Schreiben um Unterstützung aller Landesumweltminister, denn noch im Februar hatte sich sogar der Umweltrat für die vorgeschlagenen Quoten ausgesprochen. Als Begründung für den unerwarteten Vorstoß der Bundesregierung vermutet Kurth die Sorge des Ministeriums, die bislang vorgeschlagene Berechnungsquote künftig nicht mehr zu erfüllen. Nach Ansicht des BDE ist die Sorge unberechtigt. „Selbst wenn die deutsche Quote zunächst sinken würde, würden sich daraus doch Anreize für eine verstärkte Recyclinganstrengung er­­­geben. Eine Quote von 65 Prozent im Jahr 2030 wäre problemlos zu erreichen.“ Für neue Mitgliedsstaaten würde damit ein klares Signal gesetzt, die Getrenntsammlung einzuführen und mittel- und langfristig mehr in Recycling- und Verbrennungsanlagen zu investieren.

Kritik auch aus Brüssel

Auch in Brüssel sorgte der Aufschub der Recyclingquoten für Unverständnis und Kritik. Der Umweltausschuss plant, bei der Abstimmung im Januar eventuell sogar für eine Erhöhung der Quote zu stimmen. Zweifellos steht allerdings fest, dass eine frühzeitige Einigung stattfinden muss. Denn diese wird in ganz Europa, auch in Deutschland, zu vermehrten Investitionen führen. „Je schneller eine politische Entscheidung steht, umso schneller können Investitionsentscheidungen getroffen werden“, appelliert Peter Kurth.

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