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    • Liebe Leserinnen, liebe Leser,

      eigentlich hatten wir alle gehofft, dass wir schon im Frühling 2021 kein Wort mehr an Corona verschwenden müssen. So weit ist es zwar noch nicht, aber die jüngste Entwicklung gibt endlich einmal Anlass zur Hoffnung. Während die Inzidenzen konstant sinken, werden in den meisten Bundesländern erste vorsichtige Öffnungsschritte eingeleitet. Gleichzeitig nimmt die Impfkampagne weiter Fahrt auf, wenn auch immer noch nicht mit der eigentlich notwendigen Dynamik. Welche Lehren können wir jetzt bereits aus der Pandemie ziehen? Vor allem das ansonsten bewährte föderalistische System hat angesichts der Ausnahmesituation gefährliche Schwächen offenbart. Ist es wirklich hilfreich, wenn angesichts einer globalen Bedrohung die Maßnahmen zur Bekämpfung auf Länderebene entschieden werden? Andererseits, warum sollte eine dünn besiedelte Region mit niedriger zweistelliger Inzidenz das öffentliche Leben einstellen, bloß weil einige hundert Kilometer weiter die Infektionszahlen exponentiell steigen? Es gibt keine einfachen Antworten, aber wenigstens sind wir in Deutschland in der glücklichen Lage, mit knapp 27.000 Intensivbetten besser auf die Situation vorbereitet zu sein als viele andere Länder. Doch gerade der nahezu ausschließliche Fokus auf die Behandlung von Coronapatienten hat den Krankenhäusern in der Zeit der Pandemie wirtschaftlich schwer zu schaffen gemacht, von der permanenten Überlastung des intensivmedizinischen Personals einmal ganz zu schweigen. Wenigstens haben die Maßnahmen zu einem dramatischen Rückgang bei allen anderen Atemwegserkrankungen geführt. Die Grippewelle blieb nicht zuletzt dank der besonderen Hygienemaßnahmen glücklicherweise aus.

      In der Welt wurden wir Deutschen bislang als Organisations- und Effizienzweltmeister wahrgenommen. Schaut man sich die Entwicklung des Impftempos hierzulande an, könnte man an dieser Einschätzung durchaus zweifeln. Und das bringt uns einmal mehr zum Thema der Nutzung privatwirtschaftlicher Akteure für Dienstleistungen rund um die Daseinsvorsorge. Viele Probleme hätten auch in dieser Situation von vornherein vermieden werden können, wenn man das Angebot einer privatwirtschaftlichen Unterstützung der Impfkampagne angenommen hätte. Dass ein international tätiger Online-Kartenverkäufer, der innerhalb weniger Stunden Rockfestivals oder Welttourneen von berühmten Künstlern mit Millionen von Besuchern ausverkauft, ohne dass dabei ein Server in die Knie geht oder dafür gar neue Software entwickelt werden müsste, die Online-Vermittlung von Impfterminen wohl schneller und effizienter hätte durchführen können als überlastete Gesundheitsämter mit veralteter IT-Infrastruktur, ist anzunehmen. Genutzt wurde das Angebot jedoch nicht oder nur vereinzelt und dann sehr spät.

      Läuft es in der Kreislaufwirtschaft besser? In dieser Ausgabe legen wir einen Fokus auf die Unterschiede zwischen Landkreisen und Städten. Bei einigen Dienstleistungen sowohl der Kreislaufwirtschaft als auch im Bereich Wasser und Abwasser sind es vor allem die Landkreise, die sich der Leistungsfähigkeit der Privatwirtschaft bedienen. Dieser Ansatz verspricht nicht nur beste Leistungen zu vernünftigen Preisen, er hat auch einen erheblichen Einfluss auf die Effizienz der Nachhaltigkeitsbemühungen. Vor dem Hintergrund der finanziellen Belastungen durch die Krise und eines erheblichen infrastrukturellen Sanierungsbedarfs lohnt es sich, einen detaillierten Blick auf die Situation zu werfen. Immerhin rechnen 22 Prozent der Kämmerer für das laufende Jahr 2021 damit, dass die Gewerbesteuereinnahmen mindestens zehn Prozent niedriger ausfallen werden als 2019. Eine Mehrheit von 64 Prozent der Gemeinden und Städte plant, Steuern oder Gebühren zu erhöhen. Vor allem in den kostenintensiven Dienstleistungen der kommunalen Daseinsvorsorge im Abfall- und Wasserbereich steckt viel Optimierungspotenzial, entweder durch konsequente Ausschreibungen aller Dienstleistungen oder die Weiterführung oder Neugründung gemeinsamer ÖPP-Gesellschaften.

      Viel Spaß beim Lesen dieser Ausgabe und bleiben Sie gesund.

      Ihr Ludger Rethmann

    Immer mehr Verpackungskarton

    „Altpapier wird immer brauner“ – was zunächst wie ein Rätsel klingt, beschreibt einen zentralen Trend bei der Erfassung von Altpapier und -karton. Während Hochglanzprospekte zunehmend der Digitalisierung zum Opfer fallen – man denke nur an den Otto- oder den Ikea-Katalog –, treibt der Boom des Online-Versands das Volumen an Kartonverpackungen in die Höhe. Die so veränderte Zusammensetzung der Sekundärrohstoffe, die mit einem steigenden Anteil von Mischverpackungen einhergeht, stellt die Verwerter von Altpapier heute vor ganz neue Herausforderungen. Die REMONDIS Trade and Sales GmbH, Spezialist für Altpapier, hat das Qualitätsmanagement als Lösungsweg identifiziert und als erster Entsorger überhaupt ein Qualitätsteam etabliert. Die Papierindustrie, Abnehmer der Recyclingrohstoffe, begrüßt diesen Schritt. Entsprechend wandelt sich die Rolle des Unternehmens vom Zulieferer zum zukunftsorientierten Partner der Industrie.

    Gleichbleibende Qualität sicherstellen

    • Seit rund zwei Jahren nimmt eine neu eingerichtete Einheit der REMONDIS Trade and Sales GmbH das Papier aus der Blauen Tonne genauer unter die Lupe, um den Abnehmern in der Papierindustrie eine gleichbleibend hohe Sekundärrohstoffqualität liefern zu können. Dazu untersucht das Team systematisch Pappe, Papier und Kartonagen (PPK) aus der haushaltsnahen Erfassung und von Großkunden auf ihre Zusammensetzung, insbesondere auf den Anteil der Stoffe, die nicht in das Altpapier gehören. Parallel werden Anlagenführer und Fahrer geschult, damit ihnen die Identifizierung und Aussortierung der Störstoffe leichter fällt.

      • Das Recycling von Altpapier leidet unter den aktuellen Entwicklungen im Versandhandel und in der Verpackungsindustrie. REMONDIS Trade and Sales stellt sich der Herausforderung durch Investitionen in ein noch besseres Qualitätsmanagement

    „Die Qualität der Sammlung haben wir selbst in der Hand. Jeder entsprechend sensibilisierte Mitarbeiter ist ein echter Mehrwert.”

    Jannis Lammerskitten, Qualitätssicherung REMONDIS Trade and Sales GmbH

    Messgerät im Einsatz

    • Dabei muss der gepresste Ballen aus verschiedenen Materialien nicht mühsam auseinandersortiert werden, sondern ein Messgerät, der Paper Bale Sensor, liefert aussagefähige Messergebnisse. Auch andere Methoden kommen zum Einsatz. Für Zeitungsdruckpapier der Sorte 1.11, für die das Recyclingmaterial zumeist lose angeliefert wird, werden zum Beispiel gravimetrische Messungen vorgenommen.

      Stellt man in einer konkreten Region einen zu hohen Anteil an Störstoffen in der PPK-Fraktion fest, wird mit der jeweiligen REMONDIS-Niederlassung nach Wegen gesucht, um in Zusammenarbeit mit der zuständigen Kommune die Qualität der Sammlung wieder zu erhöhen. Die wichtigste Stellschraube ist dabei die Schulung der REMONDIS-Mitarbeiter. Jannis Lammerskitten von der Qualitätssicherung der REMONDIS Trade and Sales GmbH wirbt deshalb für die Schulungen: „Die Qualität der Sammlung haben wir selbst in der Hand. Jeder entsprechend sensibilisierte Mitarbeiter ist ein echter Mehrwert.“

      Jannis Lammerskitten und Michael Cox sind beide in der Qualitätssicherung der REMONDIS Trade and Sales GmbH tätig. Sie haben ein geschultes Auge darauf, dass das Altpapier als hochwertiger Recyclingrohstoff weiterverarbeitet werden kann

    Best Practice

    Aber auch am anderen Ende der Verwertungskette gibt es Verbesserungspotenzial. Die Abnehmer aus der Papierindustrie haben nämlich unterschiedliche Anforderungen an die Reinheit des Sekundärrohstoffs. Hier sucht das Qualitätsmanagement nach gemeinsamen Lösungen für Störstoffe sowie Fremdstoffe im Altpapier und sorgt zugleich für mehr Transparenz im Prozess. Das Team versteht sich als Vermittler von Best-Practice-Lösungen auf Basis seines breiten Erfahrungsschatzes.

    Das gilt auch für neue, innovative Verpackungen wie Papiere mit Funktionsbarrieren, nassfeste Papiere oder Thermopapiere. Deren Verwertbarkeit muss aus Sicht der Wiederverwerter überhaupt erst einmal geklärt werden. Am Ende steht hier mit Blick auf die technische Machbarkeit die Frage: Altpapier oder Restmüll?

    Erfolgreiches Recycling steht auf dem Spiel

    Dauerhaft stark veränderte Zusammensetzungen des Altpapiers sind heute nicht nur eine Herausforderung für die beteiligten Unternehmen: Sie gefährden am Ende sogar das besonders erfolgreiche Recycling, weil bei weniger hochwertigem Papier Verwertungsoptionen wegfallen würden. Michael Cox von der Qualitätssicherung bei REMONDIS Trade and Sales betont: „Das Know-how, das wir Zug um Zug aufgebaut haben, macht uns zu einem Gesprächspartner auf Augenhöhe für die Papierindustrie und zum Partner bei der Entwicklung von Lösungen. So können wir Ideen vorantreiben, die die Kreislaufwirtschaft beim Papier weiter funktionieren lassen.“

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